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Lebensversicherung in Eigenregie?

Lebensversicherungen selbst verwalten?

Wer in Österreich von einer Lebensversicherung spricht, meint meistens eine Er- und Ablebensversicherung oder eine fondsgebundene Lebensversicherung. Im eigentlichen Sinne ist allerdings nur die Ablebensversicherung eine "echte" Lebens-Versicherung, denn die angesparte Summe kommt den Hinterbliebenen zu Gute. Das war der eigentliche Sinn einer solchen Versicherung, die den Ablebensfall zu Gunsten anderer Bezieher versicherte. Bei der (Er)Lebensversicherung handelt es sich um eine interessante Kapitalsparvariante. Diese wird häufig als Sparreserve, Banksicherheit oder als Form der Pensionsvorsorge eingesetzt, weil sie eine sichere Verzinsung gewährleistet. Auch in diesem Fall ist das vorzeitige Ableben mit einem Garantiebetrag versichert. Sinn machen solche Versicherungen vor allem bei langer Laufzeit; also sollte man sie möglichst früh im Leben abschließen. Später wird man auch die Gesundheitsprüfung (sofern eine Ablebenssumme vereinbart wird) nicht mehr ohne weiteres überstehen, ohne Abstriche machen zu müssen. Heutzutage ist es unter Umständen sinnvoll, in jungen Jahren bis ins mittlere Lebensalter mehrere Versicherungen nacheinander abzuschließen. Allerdings gibt es auch zahlreiche gute Alternativen mit sicherer Rendite, um beispielsweise Kapital anzusparen oder seine Pensionszeit früher nehmen zu können und Lücken bis zur staatlichen Rentenzahlung zu überbrücken.

Ist Eigenverwaltung möglich und sinnvoll? 

Die Er- und Ablebensversicherung ist eine sichere Kapitalanlage, weil sie nur in sichere und fest verzinsliche Wertpapiere investiert. Man weiß, was man am Ende ausbezahlt bekommt und welchen Gewinnanteil man in etwa zu erwarten hat. Wer seine Kapitalanlagen selbst verwaltet, spart zum Teil erhebliche Kosten. Die versprochene hohe Verzinsung aus den Versicherungspolicen wird nämlich um einiges geschmälert, weil die Lebensversicherer kräftig mit absahnen. Die versprochene Überschuss- und Gewinnbeteiligung berechnen die Versicherungsunternehmen nämlich nur auf den angelegten Sparteil, nicht aber auf alle tatsächlich eingezahlten Versicherungsbeiträge. Der Versicherer drückt dem Versicherten nicht unbeträchtliche Kosten für die Verwaltung der Policen und Geldanlagen sowie sämtliche Bearbeitungsgebühren auf. Sparsame Unternehmen, die deutlich mehr auf ihre internen Kosten achten, bieten also günstigere Bedingungen als Versicherungen, die bei den Verwaltungskosten richtig zulangen. Der Brancheninformationsdienst "map-report" ermittelte erst 2010, wie unterschiedlich hoch diese Kosten sein können. 82 Lebensversicherungen wurden damals unter die Lupe genommen. Es lohnt sich solche Tests zu lesen, bevor sie eine Lebensversicherung abschließen. Schließt man seine Versicherung nämlich bei einem der Unternehmen ab, die richtig zulangen, kann das teuer werden. Laut Versicherungsvertragsgesetz müssen den Kunden gegenüber alle anfallenden Kosten offengelegt werden. Häufig werden sie als "Abschlusskosten" deklariert. Auch die fondsgebundene Lebensversicherung bringt den Versicherungsunternehmen selbst richtig satt Geld ein. Von daher ist es sinnvoll, die Selbstverwaltung seiner Versicherungen und Anlagen zu überlegen. Schließlich soll die zu erwartende Rendite einer Kapitallebensversicherung nicht von unnötig hohen Verwaltungskosten aufgefressen werden. Die Abschluss- und Verwaltungskostenquote Ihres Versicherungsunternehmens sollte also möglichst niedrig angesetzt sein. Im Unterschied zu den anderen Versicherungen auf Er- oder Ableben ist bei den fondsgebundenen Versicherungen jedoch üblich, dass man selbst entscheidet, in welche Fonds bei der entsprechenden Fondsgesellschaft investiert wird. Man kann zwischen Renten- oder Aktienfonds, Immobilien- oder Geldmarktfonds wählen. Verwaltet werden diese dann von der Fondsgesellschaft bzw. mehreren Fondsgesellschaften, je nach gewählter Anlage. Prinzipiell ist die zu erwartende Rendite bei diesen Versicherungsarten höher. Das Risiko ist es je nach Anlageform allerdings auch - und außerdem kommt man nicht so ohne weiteres an sein Geld, falls es in einer Notlage nötig sein sollte. Zuerst müssen nämlich die Fondsanteile verkauft und möglicherweise später wieder zurückgekauft werden. Das verkompliziert einiges.

Fazit

Grundsätzlich kann man zwecks Erreichung einer möglichst hohen Rendite also nur wählen, entweder in eine Versicherung mit Fondsverwaltung oder in ein Versicherungsunternehmen zu investieren, das die Verwaltungskosten möglichst niedrig hält. Das Wagnis, sein Kapital vollständig in Eigenregie anzulegen, erscheint zu hoch, als dass man es Menschen ohne hinreichende Ausbildung und Erfahrung im Kapitalmarkt anraten sollte. Trotzdem ist die Idee nicht grundsätzlich zu verwerfen. Eine größere Übernahme von Eigenverantwortung ist in Kapitaldingen unbedingt sinnvoll. Wie diese im Einzelfall gestaltet werden kann, ist zu hinterfragen. Für die fondsgebundene Lebensversicherung bestehen auf jeden Fall andere Bedingungen und Möglichkeiten als für Er- und Ablebensversicherungen. Ein unabhängiger Versicherungsberater, der seriöse Auskunft über seine Produkte sowie ihre Vor- und Nachteile gibt, kann Ihnen sicher weiterhelfen. Wie aufgezeigt wurde, kann man durchaus die berechneten Verwaltungs- und Abschlusskosten zu Gunsten der Rendite senken, ohne jedoch die eigenen Risiken beträchtlich zu erhöhen.