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Garantiezinssatz in der Lebensversicherung

Wer eine Lebensversicherung abschließt, tendiert bei der Kalkulation der Rendite dazu, prognostizierte Gewinne zum Laufzeitende anzuschauen. Diese Rechnung könnte aufgehen, muss sie aber nicht. Denn ausschlaggebend dafür, was eine Polizze bringen muss, ist der Garantiezinssatz, der per Gesetz festgelegt wird. Dieser - auch Rechnungs- oder Höchstzinssatz - genannte Zins wird nach den Kapitalmarktentwicklungen der letzten zehn Jahre berechnet und dient den Versicherern zur akkuraten Bilanzierung ihrer Deckungsrückstellungen. 

Berechnung und Zweck des Höchstzinssatzes

Der gesetzlich festgesetzte Garantiezins - in Österreich derzeit 2,00 Prozent, ab 21.12.2012 werden es 1,75 Prozent sein - errechnet sich aus einem Verhältnis zur Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen. Die österreichische Berechnung des Garantiezinses ergibt sich landesspezifisch aus dem Durchschnittswert der Sekundärmarktrendite abzüglich 40 Prozent Sicherheitsmarge über die letzten 10 Jahre, deutsche Regelungen fallen adäquat aus, werden aber etwas anders tituliert. Die Rendite des Garantiezinses ist sicher, solange Staatsanleihen wie in Österreich und den meisten europäische Staaten als sicher gelten dürfen. Der Höchstzinssatz muss deshalb nicht genauso hoch wie die Staatsanleihen rentieren, er wird nur per Gesetz in seiner Untergrenze so festgelegt, denn irgendeine Orientierung muss es geben. Für die Versicherer begrenzt dieser Höchstzinssatz die Verzinsung von Deckungsrückstellungen, damit wird eine Mindesthöhe der bilanziellen Abbildung von Verpflichtungen der Versicherungsgesellschaft erreicht. Es wird damit gewährleistet, dass der Versicherer Vorsorge in seinen Bilanzen trifft und die Rückzahlung der Beiträge plus Rechnungszinssatz garantieren kann. Immerhin können die Kapitalmarktzinsen sinken, der Versicherer wäre dann überschuldet, wenn er von vornherein mit höheren Zinsen gerechnet und diese auch seinen Kunden versprochen hätte. Die Höchstzinsverordnung der österreichischen FMA (Finanzmarktaufsicht) legt entsprechend fest, dass Lebensversicherer nur den aktuell gültigen Rechnungszinssatz garantieren dürfen. Die Sicherheit besteht dadurch auf beiden Seiten. Die Gesellschaften können sich nicht übernehmen, Kunden wissen wiederum, womit sie auf jeden Fall rechnen können. Versicherer können den Wert in aller Regel über die gesamte Vertragslaufzeit mindestens erwirtschaften, daher sind Pleiten von Versicherungsgesellschaften in Zentraleuropa (anders als im angelsächsischen Raum) bislang nicht bekannt. Die garantierten Werte werden in Angeboten und Verträgen fixiert. 

Garantiezinssatz und reale Zinserwirtschaftung

Der garantierte Zins liegt so gut wie immer unter den realen Zinsen einer Lebensversicherung, die am Kapitalmarkt Geld verdienen soll. Daher werden die Polizzen als Kapitallebensversicherungen bezeichnet, die Versicherer stellen entsprechend gern in der Werbung die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte dar, die eine beeindruckende Performance aufweisen kann. Was über dem Garantiezinssatz erwirtschaftet wird, geben die Versicherer zu 85 Prozent oder mehr an ihre Kunden weiter. Eine niedrige Garantieverzinsung müsste daher niemanden schrecken, der eine Polizze abschließt, die tatsächlichen Ergebnisse können weitaus besser ausfallen. Das gilt besonders in der Niedrigzinsphase des Jahres 2012, denn noch weiter kann die EZB die Leitzinsen kaum senken als zuletzt auf 0,75 Prozent. Heutige Rechnungszinssätze dürften nach aller Voraussicht in Zukunft übertroffen werden. Dennoch - verlassen können sich Kunden allein auf die garantierten Zinsen. Das gilt auch umgekehrt. In den 1990er Jahren lag der garantierte Zins bei 4 Prozent, wer damals eine Polizze abschloss, erhält den Zins auch heute ausgezahlt. Die Gewinne werden bei der Auszahlung der Versicherung fällig. Während der Vertragslaufzeit geben die Versicherer ihren Kunden die Gewinnanteile jährlich bekannt. 

Effektivzins der Lebensversicherung

Die ausgezahlte Rendite muss natürlich die Gebühren und Provisionen einer Polizze verkraften, weshalb der erwirtschaftete Zins nicht vollkommen - sondern meist nur zu rund 85 Prozent - an den Kunden fließt. Das kann auch bedeuten, dass der effektive Zinsgewinn für den Kunden niedriger ausfällt als der Garantiezins, wenn nämlich dieser gerade erreicht wurde und dann noch Gebühren in Abzug gebracht werden. Schlimmstenfalls kann bei Kurzläufern die Auszahlung auf diese Weise unter der Einzahlung liegen, trotz eingehaltener Garantieverzinsung. Um festzustellen, wie die Entwicklung verlaufen könnte, genügt der Blick ins Versicherungsoffert, dem das Addieren der Prämien gegenübergestellt wird. 

Fondsgebundene Lebensversicherungen und Garantiezins

Innerhalb der fondsgebundenen Lebensversicherung spielt der Garantiezins eine besondere Rolle. Juristisch ist er nicht bindend, da der Versicherer in Fonds investiert, die theoretisch Totalverlust erleiden können. Die Sparanteile fließen in keinen Deckungsstock bei der Versicherungsgesellschaft und werden dort vorwiegend festverzinslich angelegt, sondern der Fonds beruht ja gerade auf der Spekulation auf hohe Renditen an den Kapitalmärkten. Dem Versicherungsnehmer ist es oftmals freigestellt, über die Auswahl der Fonds selbst zu entscheiden, teilweise wählt er auch einen Teil selbst, den Rest der Auswahl nimmt die Versicherungsgesellschaft vor. Je nach Auswahl fallen Fonds hoch oder eher moderat spekulativ aus, Renditen und Risiko ändern sich entsprechend. Dennoch gibt es auch die fondsgebundene Lebensversicherung mit Beitragsrückgewähr, wobei nicht unbedingt die höchsten Renditen zu erwarten sind - ausschließen muss man sie aber auch nicht. Diese Beitragsrückgewähr verspricht allerdings der Versicherer, das hat mit dem staatlich festgelegten Garantiezins nichts zu tun. Wie hoch die Beitragsrückgewähr (meist plus einer geringen Verzinsung, die dem Garantiezins ähnelt) ausfällt, obliegt der Versicherungsgesellschaft. Wenn diese Beitragsrückgewähr nicht versprochen wird, ist theoretisch ein Totalverlust möglich, praktisch aber auf dem europäischen Festland noch nicht vorgekommen. In Wahrheit unterscheiden sich Renditen und Risiken zwischen Polizzen mit garantierten Zinsen und Fondspolizzen nicht so gravierend.