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Er & Ablebensversicherung

Die Er & Ablebensversicherung bezeichnet in Österreich die bekannte klassische Lebensversicherung.

Im Bereich der Zukunftsvorsorge spielt die Er & Ablebensversicherung für viele Menschen eine wichtige Rolle. Sie kann aus den verschiedensten Gründen abgeschlossen werden und dient in der Regel vor allem der Familienabsicherung. Sie kann aber auch zum Zweck der Pensionsvorsorge, als Sicherheit für die Bank, als Tilgungsmittel für Kredite oder ganz klassisch zum so genannten Zielsparen genutzt werden.


Das Prinzip einer solchen Versicherung ist recht einfach: Ein Teil wird zum Ansparen genutzt, der andere sichert das Risiko des Ablebens ab. Die Versicherungssumme für den Er- oder Ablebensfall ergibt sich dabei aus der Laufzeit sowie der Beitragshöhe.
Wenn die versicherte Person noch vor dem Ende der Versicherungsdauer verstirbt, erhalten die Begünstigten die vertraglich garantierte Versicherungssumme zuzüglich möglicher Gewinnanteile ausgezahlt. Das Bezugsrecht wird vorher vertraglich festgelegt, so dass neben Angehörigen auch soziale Einrichtungen bezugsberechtigt sein können. Laufende Gewinnanteile werden – sofern vorhanden – dem Begünstigten in einer jährlichen Mitteilung übermittelt. Eine inzwischen selten gewordene Abschlussmöglichkeit ist ein Vertragsabschluss der Versicherung auf Gegenseitigkeit. In diesem Fall erhält der Überlebende die vereinbarte Versicherungssumme im Falle des Ablebens eines Vertragspartners. Sterben beide Versicherungsnehmer zum gleichen Zeitpunkt (z. B. durch Unfalltod), wird die Versicherungssumme einmalig an den Begünstigten ausgezahlt.

Die Laufzeit sowie die Höhe des Beitrags können vom Versicherungsnehmer selbst bestimmt werden. Eine Laufzeit von 10 Jahren ist bei einer solchen Versicherung sinnvoll, es gibt je nach Versicherungsunternehmen lediglich Altersgrenzen bis 70, 75 oder 80 Jahren. Auch eine Einmalzahlung ist denkbar.
In der Regel sind die Prämien monatlich fällig, allerdings ist auch vierteljährliche, halbjährliche oder jährliche Zahlung möglich. Die Beitragshöhe sollte so gewählt werden, dass es die persönliche Situation zulässt, sie richtet sich aber zusätzlich nach der gewünschten Versicherungssumme für den Ablebensschutz. Gerade bei einer langen Laufzeit lohnt sich eine Indexanpassung, durch welche der Beitrag gleichmäßig mit der Inflationsrate oder auch einem festgelegten Prozentsatz jedes Jahr steigt. Dadurch wird eine Inflation (Geldentwertung) etwas entschärft.

Vertragslaufzeit & Versicherungssumme

Geht es um die Wahl der Vertragslaufzeit, ist unter Umständen Vorsicht geboten. Eine lange Laufzeit sollte nur gewählt werden, wenn sich der Kunde selbst sicher ist, dass er diese auch einhalten kann. Längere Laufzeiten erhöhen generell das Ablebensrisiko, wodurch mögliche Gewinne immer gemindert werden. Zusätzlich werden die Versicherungsbeiträge für ältere Versicherungsnehmer auch teurer. In solchen Fällen kann es passieren, dass bei kürzeren Laufzeiten in Jahren mit schwacher Verzinsung das Auszahlungskapital geringer ist, als die eingezahlten Beiträge. Es ist deshalb ratsam, eine Er- und Ablebensversicherung so früh wie möglich abzuschließen, solange man noch gesund ist. Bei Vertragsabschluss müssen sich Versicherungsnehmer auch einer Gesundheitsprüfung unterziehen und risikobehaftete Berufs- und Freizeitaktivitäten angeben. Kommt es hier zu falschen Angaben, kann der Versicherer die Leistung verweigern. Deshalb gilt: Alle Angaben im Antrag müssen so genau wie möglich und ehrlich erfolgen. Ärztliche Atteste müssen zusätzlich zum Antrag eingereicht werden, wenn höhere Versicherungssummen (150.000 EUR und mehr) gewünscht sind. Für Frauen sind die Versicherungsbeiträge im Normalfall günstiger, als für gleichaltrige Männer. Das liegt daran, dass das Ablebensrisiko bei Männern meist höher ist. Dadurch erhalten Männer allerdings auch im Falle einer Rentenauszahlung der Versicherungssumme eine höhere Monatsrate.

Bei einer klassischen Er- und Ablebensversicherung erfolgt die Veranlagung von sicheren Wertpapieren wie Darlehen, festverzinsliche Anleihen oder auch Immobilien. Zwar fällt die Rendite etwas geringer aus, als bei ähnlichen Produkten wie Fondsversicherungen, allerdings ist die Versicherungssumme vertraglich vereinbart und wird durch Gewinnbeteiligungen erhöht. Bei Vertragsabschluss können Gewinnbeteiligungen nur geschätzt werden. Eine Orientierung sollte bei mehreren Versicherungsangeboten immer an den Garantiesummen erfolgen.

In der Versicherungsprämie sind 4 Prozent Versicherungssteuer enthalten. Bei Entscheidung für einen Rentenbezug besteht die Möglichkeit, die Beiträge beim Jahresausgleich oder auch der Einkommenssteuererklärung als Sonderausgaben anzusetzen. Eine Meldung an das Finanzamt erfolgt allerdings dann, wenn sich der Versicherungsnehmer doch für eine Auszahlung entscheidet. In diesem Fall kommt es zu einer Nachversteuerung, die allerdings nicht für Kapitalversicherungsverträge mit Abschluss vor dem 1. Juni 1996 gilt. Von der Einkommens- und Kapitalertragssteuer sind Leistungen aus Lebensversicherungen befreit. Auch laufende Erträge sind kapitalertragssteuerfrei, was gegenüber herkömmlichen Rentenfonds einen Vorteil darstellt.

Im Ablebensfall des Versicherungsnehmers muss sich der Begünstigte zwecks Auszahlung an die Versicherung wenden und dort neben der Originalpolice auch die Sterbeurkunde und den Ausweis vorlegen. Im Erlebensfall muss ebenfalls die Originalpolice vorgelegt werden, jährliche Vertragsanpassungen müssen jedoch nicht aufbewahrt werden.

Zwar sollte man eine Er & Ablebensversicherung immer entsprechend seinen finanziellen Möglichkeiten abschließen, allerdings können sich diese und auch die allgemeinen Bedürfnisse im Laufe eines Lebens verändern. Beitragshöhe und auch Laufzeit einer Lebensversicherung sollten aus diesem Grund möglichst vorsichtig gewählt werden. Kommt es dennoch zu einem finanziellen Engpass, besteht die Möglichkeit einer Beitragsfreistellung. Es gibt auch die Möglichkeit, die Beitragshöhe zu reduzieren. Von einem Rückkauf einer Er- und Ablebensversicherung raten Experten jedoch ab, da der Rückkaufswert in der Regel geringer ist, als die Summe der eingezahlten Beiträge.

Generell ist es ratsam, mehrere Angebote einzuholen und sich von einem seriösen Versicherungsfachmann beraten zu lassen. Nur ein eingehender Versicherungsvergleich kann am Ende zu einem passenden Versicherungsvertrag führen, der auf die individuellen Wünsche des Versicherungsnehmers abgestimmt ist.